Realisten und Abstrakte haben immer Schwierigkeiten gehabt, sich zu dulden, heute, wie während der zwanziger oder dreißiger Jahre; denn deren Sensibilität entspringt zwei Welten und zwei Entwicklungen, sozusagen zwei Kulturen. Es ist aber heute unbestreitbar, dass die Sensibilität von Miro, Mondrian oder Tapies ebenso prägnant und tiefsinnig ist wie die der Realisten. Der Beuys - Schüler Tilopa Monk macht keine Ausnahme. Seine Arbeiten sind Ausdruck seiner Philosophie, deren Wurzeln in der ostasiatischen Kultur liegen, nämlich die Reduzierung auf das Wesentliche, auf das Sinnliche. Dieser Prozeß ist enorm zeitaufwendig: Die Befreiung des Geistes bedarf der Meditation, die Meditation erfordert lange Vorbereitung, die Vorbereitung ist ohne die langwierige Studie der alten ostasiatischen Kultur nicht denkbar. So unterscheiden sich auch. deutlich die Arbeiten von Tilopa Monk und anderen Modernen.Man findet bei Kandinsky komplexe Strukturen, bei Miro eher partielle Auseinandersetzungen, bei Mondrian einen fast religiösen Farbzwang. Tilopa Monk ist eher ein Poet. Die Farben sind selne Worte: Richtig ausgesucht, richtig verwendet und ohne "Füllworte". Er ehrt die Farbe, ihre Bedeutung, ihre Ausdrucksstärke, ihre Göttlichkeit. Er ehrt sie nicht nur, er weiß auch damit umzugehen. Und die Farbe dankt es dem Poeten.
Jacques Raymond
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